Teil II – Fördern Sie innovatives Denken im Team mit Visual Brainstorms

    von David Naef am 09.09.20 14:10

    Im ersten Teil unseres Beitrages zur Wirkkraft von Visualisierungen in strategischen und sinnstiftenden Prozessen bin ich auf sechs grundlegende Tipps eingegangen, die Ihnen bei der Etablierung von Visualisierungsprozessen für kollaborative Lösungsfindung im Team helfen können. Im zweiten Teil unserer Blogserie zum Thema Visual Thinking erkläre ich Ihnen eine konkrete Methodik aus dem Bereich der Visualisierungstechniken, die Ihnen für die Bewältigung einer aktuell anliegenden Herausforderung dienlich ist.

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    Mut und Freude dienen Ihrem Team, zusammen mit einer Prise Vorstellungskraft, zu vollkommen neuen Ansätzen in der Lösungsfindung zu gelangen – mittels Visual Thinking.

    Ready, set, go!

    Als kleine Wiederholung aus Teil 1: Folgende Voraussetzungen müssen zwingend erfüllt sein, um Visualisierungs- und Design-Thinking-Methoden (oder kurz und knapp: Visual Thinking) anzuwenden. Der Einfachheit und des Komforts halber finden Sie diese aus Teil 1 zitiert hier noch einmal:

    • Ein bisschen Mut, eine positive Einstellung und eine Portion Vorstellungskraft – fehlt einer dieser drei Treibstoffe, springt der Motor nicht an.
    • Ein heller Raum für eine Gruppengrösse gemäss Ihrem Bedarf (man sollte sich frei bewegen können auch gemäss besonderen Umständen, also keine allzu engen Meeting-Räume) mit möglichst vielen leeren Wänden und idealerweise ein bis zwei grossen, leeren Tischen und Sitzgelegenheiten.
    • Essenzielle Grundausrüstung: Breite Filzstifte in Grün, Blau, Rot und Schwarz. Dazu Post-its in XXL und L, ein breites Malerklebeband, ein paar Dutzend Blätter in A4- und A3-Grösse, persönliches Schreib- und Notizmaterial, eine Schere, Easyflip-Folien und ein oder zwei Flipchart-Ständer.
    • Nice to have, um nicht zu sagen fancy: Metallene Wandplatten (magnetisch), Plexiglas- oder Glaswände (zur Beschriftung mit Whiteboard-Markern), grosse Whiteboards und eine Plotterpapier-Rolle.

     

    Unser Hirn visualisiert selbst dann, wenn wir es nicht dazu auffordern

    Visualisieren ist eine Art der Ausdrucksweise und Kommunikation wie ein gesprochenes Wort und geschriebene Schrift. Die Parallelen sind grösser, als man gemeinhin denken könnte. So lesen wir auch in der geschriebenen Sprache in Tat und Wahrheit Wortbilder, nicht etwa einzelne Buchstaben oder eine Verkettung einzelner Zeichen, die wir erst dekodieren müssen. Sonst würde jeder Lesevorgang wohl zehnmal mehr Zeit in Anspruch nehmen. Vielleicht kennen Sie das Beispiel des Buchstaben-Salats:

    «Druam stlloen smchätlie Utrenhemen drauaf Wret lgeen, dass mgslöicht alle Tmaes in der vseuillen Zasmumenbariet strak wreedn und bielebn.»

    Sie werden den Satz ohne Zweifel mühelos lesen, solange Sie Ihre Augen zügig darüber gleiten lassen und nicht nach einzelnen Zeichen suchen. Wenn man den ersten und den letzten Buchstaben jedes Wortes stehen lässt, liest man den Satz genauso schnell, wie wenn er orthografisch korrekt geschrieben wäre. Die abgespeicherten Wortbilder in unserem Gehirn lassen grüssen. Dabei handelt es sich um nichts anderes als (automatisierte) Visualisierungen.

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    Design Thinking: Visual Brainstorm

    Ich lade Sie ein, folgende Übung direkt für die nächste Herausforderung zur Lösungsfindung im Team auszuprobieren. Je häufiger Sie und Ihr Team sich darin üben, mit visuellen Mitteln zusammenzuarbeiten, desto effektiver werden Sie darin:

    Zeitbedarf Meeting: 45 bis 60 Minuten
    Vorbereitung: 20 Minuten pro Person
    Nachbereitung: 15 Minuten

    Veranstalten Sie das nächste Meeting zur Ideenfindung für eine bestimmte Herausforderung mit Ihrem Team in visueller Form anstelle eines herkömmlichen Brainstorms mit schriftlichen Listen. Nennen Sie den Teilnehmern frühzeitig, idealerweise 48 Stunden vor dem Zusammenkommen, die Fragestellung des Meetings. Beauftragen Sie dem Team, zum Treffen fünf bis zehn bildliche Elemente mitzubringen, die sie mit der gestellten Frage oder deren möglichen Lösung in Verbindung bringen. Dabei kann es sich um Illustrationen, Fotos, Emojis oder selbstgezeichnete Skizzen handeln. Dazu eignen sich klassisches A4-Papier als Grundlage oder auch Post-Its beliebiger Grösse. Die Bilder sollen ausgedruckt vorliegen, sie können ausgeschnitten sein, sie dürfen vorläufig auch kombiniert werden, aber sie dürfen keine Wörter beinhalten.

    Bereiten Sie als einladende Person einen Raum vor, in welchem Sie und das Team genug Bewegungsfreiheit haben (siehe oben). Nun benötigen Sie nur noch eine Wand oder einen grossen, mit einer Papierrolle bezogenen Tisch, wo Sie die Bilder und grafischen Inputs arrangieren können. Platzieren Sie die Fragestellung schriftlich in der Mitte des Tischs oder der Wand und alles ist bereit.

    Der Start der Design-Thinking-Session

    Beim Start des Meetings fordern Sie eine Person nach der anderen dazu auf, begleitet von einer kurzen Erläuterung, jeweils eines der mitgebrachten visuellen Elemente auf dem Tisch oder an der Wand zu befestigen. Man darf die Elemente gesondert platzieren oder zu einem bestehenden Element hinzufügen, sodass man sie nach Bedarf nachträglich noch verschieben könnte. Dies geht so lange der Reihe nach, bis alle Elemente angebracht sind.

    Als Moderator dieser Übung sind Sie dazu eingeladen, abgeleitet von den Erläuterungen der jeweiligen Person entsprechende Begriffe oder Aussagen zu den Bildelementen hinzuzufügen, direkt auf dem Tisch oder in Form von Post-its an der Wand. Sie werden staunen, was für ein Reichtum und welche Bandbreite an Ideenansätzen dabei zusammenkommen. Sie dürfen natürlich die Moderatorenrolle auf freiwilliger Basis auch an eine andere Person delegieren, was wiederum eine gute Übung für die jeweiligen Teammitglieder darstellt.

    Resultate des Meetings sammeln

    Im zweiten Teil der Session sind alle Teilnehmenden dazu eingeladen, ihre jeweils neu gewonnen Gedankengänge und Ideen aufgrund der zusammengetragenen visuellen Elemente schriftlich oder bildlich zu ergänzen. Dies kann als parallel geführte Liste auf einem Flipchart geschehen oder direkt auf der Gesamtcollage, z.B. direkt auf dem papierbezogenen Tisch oder mittels einer neuen Post-it-Farbe.

    Wenn der Findungsprozess langsam abflacht oder 50 Minuten überschritten sind, ziehen Sie im Plenum ein kurzes Fazit am Flipchart, die Teilnehmenden werden verdankt und man zieht seines Weges.

    Als Nachbereitung steht es Ihnen als Moderator frei, das visuelle Resultat, aller Voraussicht nach eine beschriftete Collage, an einer geeigneten Stelle aufzuhängen, um es weiterhin zugänglich zu machen. Unabdingbar ist das Abfotografieren und Zustellen des visuellen Resultats an die Teilnehmenden per E-Mail sowie ein kurzes schriftliches Fazit als Zusammenfassung der geäusserten Inputs sowie nächste Schritte.

    Als Folgeprozess und weiteres Vorgehen bietet es sich an, mithilfe eines anderen Tools aus der Design-Thinking-Kiste besonders wertvolle Lösungsansätze in derselben oder auch einer anderen Team-Konstellation weiterzuentwickeln. Die Gedanken sind frei, man darf sie aber auch hie und da gemeinsam bildlich einfangen. Ich zeige Ihnen gerne entsprechende Möglichkeiten bei einem Kaffee auf

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    Themen: Unternehmenskultur, Unternehmensführung

    Autor: David Naef

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