Fit für die Zukunft – so machen Sie Ihr Unternehmen agil

    von Alexander Wicki am 11.11.20 10:39

    Co-Autorin: Hanna Blumenrath

    Globalisierte Märkte und Finanzströme, die Digitalisierung oder als jüngstes Beispiel Corona: Unternehmen müssen sich ständig neuen Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es, agil und flexibel zu handeln – und so wettbewerbsfähig zu bleiben. Das verdeutlicht insbesondere noch mal die Covid-19-Pandemie und die damit einhergegangene Lockdownphase.

    Unternehmen, die sich schnell an die neue Situation anpassten, z. B. indem sie ihr Angebot digitalisierten oder ihr technisches Know-how für notwendige Hilfsmittel zur Verfügung stellten, überlebten oder steigerten gar ihren Umsatz.

    Basierend auf unserer B2B Erfahrung wissen wir, welche Vorraussetzungen benötigt werden, um zum agilen Unternehmen zu werden. Fünf davon stellen wir Ihnen heute vor.

    Alles VUCA, oder was?

    Das ursprünglich aus dem amerikanischen Militär stammende Akronym VUCA fasst die oben genannten Herausforderungen einer immer schnelllebigeren und damit fragileren Wirtschaftswelt zusammen. Es steht für die Begriffe Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität.

    Führungskräfte und Unternehmer müssen in der VUCA Welt, in der wir heute leben und arbeiten, täglich Entscheidungen treffen, die weittragende Konsequenzen für das Unternehmen haben. Und können sich dabei immer weniger auf Gelerntes verlassen. Bestehende Führungsprinzipien stossen an ihre Grenzen und bisherige Kompetenzen werden überflüssig.

    Business Überblick wahren

    Wie also begegnet man den VUCA-Bedingungen erfolgreich und bleibt handlungsfähig? Die Antwort findet sich in agilen Unternehmenskulturen. Firmen, die diese leben, sind fähig, ihre Strategien, Organisation und Prozesse schnell und unkompliziert auf neue Herausforderungen anzupassen. Sie haben das richtige Mindset, flache Hierarchien, arbeiten abteilungsübergreifend zusammen, wissen, warum sie etwas tun und lassen eine gesunde Fehlerkultur zu.

    Sich auf das Abenteuer Agilität einzulassen, erfordert Mut, Ausdauer und Lust, sich auf unbekanntes Terrain begeben. Lesen Sie hier über die fünf Voraussetzungen, die Sie auf dem Weg zum agilen Unternehmen brauchen.

    Voraussetzung 1: Agilität beginnt im Kopf

    Agilität ist keine Organisationsform oder Arbeitsmethode. Vielmehr ist Agilität als Grundhaltung zu verstehen, als eine Denk- und Arbeitsweise, die hilft, starre Strukturen zu lösen, um anspruchsgruppenorientiert zu handeln.
    Ein solches Mindset lässt sich nicht von heute auf morgen im Unternehmen etablieren und muss zwingend von oben nach unten gelebt werden. Stichwort: Vorbildfunktion. Folgende Punkte helfen Ihnen dabei, eine agile Haltung anzuregen: 


    • Erfolgreicher Wissenstransfer: Stellen Sie einen stetigen Know-how-Aufbau im Team sicher.
    • Regelmässige Reflexion: Etablieren Sie eine Feedback-Kultur, in der Verbesserungen erkannt und umgesetzt werden.
    • Fokussierung aufs Wesentliche: Konzentrieren Sie sich bei all ihren Aktivitäten auf das, was am meisten Nutzen bringt.
    • Agiles Wertesystem: Entwickeln Sie ein Manifest mit agilen Werten, Prinzipien und Praktiken.

    Voraussetzung 2: Empowering und Leadership

    Die zentrale Aufgabe von Führungskräften bewegt sich immer mehr weg vom klassischen hierarchischen Handeln im Sinne von Dirigieren und Korrigieren. Befähigen heisst das Zauberwort. Geben Sie Ihren Mitarbeitenden mehr Freiheit, Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz.

    Die Voraussetzungen dafür bildet das Definieren eines strategischen, abgesteckten Rahmens. Planen Sie z. B. regelmässige Zusammenkünfte, an denen Sie Updates über den aktuellen Stand der Arbeit erhalten und stehen Sie jederzeit beratend zur Seite. Das schafft beidseitiges Vertrauen und lässt Ihre Mitarbeitenden wachsen. Verstehen Sie sich mehr als Coach statt als Chef.

    Voraussetzung 3: Interdisziplinäre Teams

    Es gibt unterschiedliche Ansätze, die sich mit dem Thema interdisziplinäre Teams beschäftigt. Zu den bekanntesten zählen Scrum, Kanban, Design Thinking, Lean Startup und DevOps. Dabei hat jedes davon seine eigenen Prinzipien und Leitsätze.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit

    Allen gemein ist, dass sie davon überzeugt sind, das Teams dann besonders erfolgreich sind, wenn sie folgende Eigenschaften erfüllen:

    • Autonom
    • Selbstorganisiert
    • Interdisziplinär
    • Überschaubare Grösse
    • Klares Ziel

    Dafür muss unverkennbar sein, welche Fähigkeiten für das Erreichen des Ziels benötigt werden. Die Teammitglieder kennen also die Stärken und Schwächen aller Beteiligten – sowohl was die Kenntnisse als auch die Einstellungen angeht – und können damit umgehen.

    Wenn Sie Ihr Team formatiert haben, informieren Sie es persönlich über die zu erfüllende Aufgabe, so können sie Fragen direkt klären. Entwickeln Sie ausserdem gemeinsam Regeln, an die sich alle halten müssen. Aber denken Sie dran: Vertrauen Sie darauf, dass die Aufgaben erledigt werden und kontrollieren Sie nicht zu viel. Als Führungskraft müssen Sie eine Kultur des Vertrauens schaffen.

    
«Behandle dein Team so, wie du selbst behandelt werden möchtest.»
    Linda Becker, LAB Company

    Generell lässt sich sagen, dass man mit dem Fördern von Partizipation dem schöpferischen Bedürfnis des Menschen gerecht wird und Potenziale nicht brachliegen lässt. Es geht somit auch um die Wertschätzung der Mitarbeitenden und deren persönliche Weiterentwicklung. Den Schöpfergeist fördern und frischen Wind ins Unternehmen bringen – das entspricht auch voll und ganz dem Gedanken von Coporate Entrepreneurship.

    Zu guter Letzt darf nicht vergessen werden, dass das Team in regelmässigen Abständen zusammenkommen sollte, um über vorangegangene Projekte zu reflektieren und gegebenenfalls den Arbeitsprozess zu verbessern.

    Voraussetzung 4: Eine klare Vision mit agiler Strategie

    Eine Entscheidung, die heute passt, kann morgen überholt sein. Das ist normal und okay. Akzeptieren Sie diesen Umstand und zeigen sie Reaktionsfähigkeit und Flexibilität, indem Sie Ihre Meinung an neue Situationen anpassen. Denn in der Agilität geht es darum, die Reaktion auf Veränderungen höher zu gewichten als einen Plan um jeden Preis weiterzuverfolgen.

    Braucht es überhaupt noch Planung, werden Sie sich jetzt fragen. Ja! Unbedingt.

    Der Plan sollte jedoch eher langfristig sein und nicht zu sehr ins Detail gehen. So verlieren Sie das grosse Ziel nicht aus den Augen und können dennoch auf neue Anforderungen. Eine klare Vision mit der Konzentration auf langfristige Ziele ist entscheidend. Ein weiterer Vorteil: Sie vermitteln Ihren Mitarbeitenden Sinn für ihre tägliche Arbeit. Unserer Erfahrung nach erträgt der Mensch (fast) jedes WIE wenn er weiss WARUM. Die Suche nach Sinn ist der Motivationsfaktor des menschlichen Denkens und Handelns. Heute wird dies verstärkt unter dem Begriff «Purpose» zusammengefasst.

    Es ist, dass Sie als Team auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Das macht Ihr Unternehmen widerstandsfähiger gegen Krisen und es entsteht erst noch praktisch von allein ein Wirgefühl. Frage Sie sich: Worauf ist mein Team stolz? Wie lauten unsere zentralen Werte? Und welche gemeinsamen Herausforderungen oder gar «Feindbilder» wie beispielsweise Mitbewerber verbinden uns?

    Schaffen Sie eine Vision, kommunizieren Sie diese und visualisieren Sie diese zum Beispiel mit einem Bild. Oder gehen Sie noch einen Schritt weiter in Richtung Multisensualität, indem Sie etwa einen passenden Song von einem Interpreten bestimmen. Der Soundtrack zu Ihrer Vision. Seien Sie kreativ. Denn auch davon lebt Agilität.

    Zusammenarbeit

    Voraussetzung 5: Gesunde Fehlerkultur

    Bevor wir über Fehlerkultur sprechen, sollten wir eine klare Unterscheidung zwischen Fehlerkultur und Fehlermanagement treffen. Während Letzteres versucht, Fehler aus Qualitätssicherungsgründen zu vermeiden, geht es in der Kultur vielmehr darum, wie mit Fehlern umgegangen wird.

    Denn dass sie passieren, ist nicht zu verhindern. Agile Unternehmen haben die Fähigkeit, auf Fehler angemessen zu reagieren. Indem sie offen mit ihnen umgehen und sie nicht vertuschen, konstruktives Feedback geben und sie zur Weiterbildung nutzten.

    Es wird heute von Mitarbeitende erwartet, Innovationen anzustossen, technische Neuerungen auszuprobieren oder «mal anders» an Dinge heranzugehen. Aber: Wer Neues wagt, der scheitert auch. Wenn Handlungen nach «falsch» und «richtig» beurteilt werden und Mitarbeitende bei Fehlschlägen mit negativen Konsequenzen rechnen müssen, werden sie kaum Mut entwickeln, einfach mal etwas auszuprobieren.

    «Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.»
    Dietrich Bonhoeffer

    Eine Kultur, in der Ausprobieren gefördert wird und Fehler machen erlaubt sind, ist die Grundlage für ein wettbewerbsfähig, Krisenresistentes und innovativ Unternehmen.

    Fazit

    Das höchste Ziel der Führung ist es, sicherzustellen, dass das Unternehmen zukunftsfähig bleibt. Ein agiles Mindset und agile Methoden bilden gemeinsam mit anderen Massnahmen eine zentrale Voraussetzung. Dabei gibt es so viele Wege, wie es Unternehmen gibt. Den einen Weg zur Agilität gibt es nicht. Denn Agilität bedeutet auch, dass sie ausprobieren, was zu Ihrem Team passt. Basierend auf dessen Stärken. Und Agilität setzt voraus, dass Sie ein übergeordnetes langfristiges Ziel mit einem klaren Sinn (Purpose) verfolgen, der Ihre Mitarbeitenden motiviert.

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    Themen: Change Management, Unternehmenskultur, Unternehmensführung

    Autor: Alexander Wicki

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