Donnerwetter oder Sonnenschein – wie ist die Lage im Homeoffice?

    von Roman Heiz am 22.04.20 10:30

    Überraschung! Heute schreibe ich über Homeoffice. Und ich weiss, dass derzeit die ganze Schweiz das Thema beackert wie ein nimmermüder Gaul. Aber mit Verlaub: In einer Zeit, in der sich unser Bewegungsradius auf wenige Meter beschränkt, ist das Florieren von Homeoffice-Beiträgen nur die logische Folge.

    Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

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    Das neue Coronavirus weist uns rüde in die Schranken. Absperrbänder zieren die Schweizer Lebensmittelläden – allenthalben schallt der Aufruf zum Vermeiden unnötiger Kontakte. Hausarrest.

    Sogleich in eine Lethargie zu fallen, wäre verfrüht. Bemühen wir uns besser, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Schnell stellt sich die Frage: Wie gehen wir damit um, dass sich unser Arbeitsleben nunmehr auf unseren Schreibtisch beschränkt?

    Darwins Erkenntnis zum Thema «survival of the fittest» bezog sich bekanntlich mehr auf die Anpassungsfähigkeit des Menschen denn auf seine physische Fitness. Und es stimmt: Homeoffice wird zum monumentalen Prüfstein unserer Anpassungsfähigkeit.

    Mehr Flexibilität = mehr Freiheit?

    Wir sind jetzt gezwungen, eigene Abläufe zu kreieren, eigene Lösungen zu gestalten, selbstständig die beste Arbeitsmethode und Tagesstruktur für uns zu finden.

    Dieses «Geschenk» würde uns wohl in den meisten Situationen erfreuen. Aber im Kontext der Coronakrise erinnert es an das
    Sei-spontan-Paradoxon
    , das Paul Watzlawick in der «Anleitung zum Unglücklichsein» beschreibt. Es besagt, dass die ausdrückliche Aufforderung, spontan zu sein, den Betroffenen in eine unmögliche Situation bringt. Denn in einem Kontext von Gehorsam fühlt man sich überhaupt nicht frei. Wenn wir also spontan und kreativ sein müssen, ist das ganz besonders schwierig.

    Privates von Beruflichem trennen?

    Im Wirkungsradius von wenigen Metern ist Privates nur schwer von Beruflichem zu trennen. Auf meinem zehnsekündigen Arbeitsweg begegne ich meiner tüchtigen Kaffeemaschine, erspähe aus einiger Entfernung meinen liebevoll eingerichteten Arbeitsplatz am Küchentisch – just bevor ich über meine neue Faszienrolle stolpere.

    Faszienrolle_2Das Problem ist eindeutig: Beruf und Alltag vermischen sich – und das lässt sich kaum verhindern. Wäre ich ein Online-Guru, der sich auf die Optimierung des Homeoffice-Alltags spezialisiert hat, sähe die Sache anders aus. Dann wäre ich wohl der Erste, der auf Instagram Tipps gäbe zu einer gesunden Work-Life-Balance.

    Aber ganz ehrlich: Das ist mir zuwider. Hat es nicht gleichsam etwas Inspirierendes, wenn das Video-Meeting im Kontext verschiedener Müesli-Zutaten stattfindet? Bei mir ist das zumindest so. Davon muss mein «Gegenüber» ja nichts erfahren.

    Die Freude am Kochen entdecken

    Das Aktivieren der Geruchs- und Geschmackssinne ist eine tolle Sache. Deshalb kommt es uns gelegen, dass wir mittags die Möglichkeit haben, uns etwas Leckeres zu kochen. Das wilde Kombinieren von Gewürzen und Kräutern, das Waschen und Zubereiten wertiger Zutaten – ein Genuss, nicht wahr?

    Ich hole mir gleichwohl lieber ein Sandwich. Über Mittag bleibt bei mir nämlich kaum Zeit für Kochexperimente. Es ist eine Illusion zu glauben, dass das Werken im Homeoffice mehr Freiraum für Privates eröffnet. Mein Arbeitsplatz verwandelt sich eben nicht wie von Geisterhand in die kulinarische Meisterstätte von Jamie Oliver. Und meine Pendenzen rufen bereits schallend, wo ich denn bleibe, sobald ich mich mal ans Schneiden von Tomaten und Mozzarella wage.

    Sind die Vorteile von Homeoffice ein Mythos?

    Bei mir schleicht sich das Gefühl ein, dass die vielgerühmte Freiheit durch Homeoffice auch eine Bürde sein kann. Insbesondere dann, wenn man sich das nicht selber ausgewählt hat. Die Infrastruktur zu Hause ist meist (noch) nicht optimal auf die Arbeit zu Hause ausgelegt. Und man war innerlich nicht darauf vorbereitet, dass das Berufsleben fortan in den eigenen vier Wänden stattfinden wird.

    Business-Meetings mal anders

    Bevor wir den Abgesang auf die Vorteile des Homeoffice einstimmen, gibt es doch noch etwas, das man positiv hervorheben sollte: Video-Konferenzen sind eine erfrischende Abwechslung!

    Dank ihnen sind Meetings plötzlich ungezwungener. Die Teilnehmenden befinden sich in ihrem gewohnten Umfeld und fühlen sich wohl. Zugleich gewähren sie einen kleinen Einblick in ihre Wohnumgebung. Das bietet Gesprächsstoff – für Diskussionen über Alltägliches wie etwa Wohngegenstände und Hobbys: Woher stammt etwa die afrikanische Holzmaske, die im Hintergrund baumelt? Wie heissen die Kids, die im Raum freudig umherturnen? Durch den Umgebungswechsel ändert sich die Gesprächsdynamik und man lernt die Teilnehmer auf eine andere Weise kennen.

    Immer wieder ergeben sich – etwa wegen technischer Probleme –  urkomische Situationen, die selbst den seriösesten Gesprächsteilnehmer aus der Humorreserve locken. Das ist doch eine spannende Alternative zu vorgeplanten Business-Sitzungen, die stundenlang dauern und nur wenig persönliches Kennenlernen erlauben.

    Fazit: Der Lockdown verschliesst Türen – und öffnet neue

    Homeoffice ist eine logische Folge der Empfehlungen und Regeln, die der Bundesrat erlassen hat. Im Homeoffice sind alle ein Stück weit für sich alleine und dennoch rund um die Uhr vernetzt mit Kunden und Teammitgliedern. So wird man gewissermassen zu einem Unternehmen im Unternehmen. Das mag den einen gefallen, anderen weniger. Gleichwohl ist es aber die Realität und man tut gut daran, sich damit zu arrangieren und auch die Chancen zu sehen. Auf jeden Fall lernen wir so einiges dazu und sind für die digitale Zukunft noch besser gewappnet als zuvor.

    Themen: Content Marketing, Change Management

    Autor: Roman Heiz